Bauliche Spezialitäten in der GdG-Steinfeld: Der "Wasserturm" von Kloster Steinfeld

Collage Steinfeld Wasser (c) gdg steinfeld
Collage Steinfeld Wasser
Datum:
Mo 24. Aug 2020
Von:
Helmut J. Kirfel

Ein Schild an einer Tür im Kloster Steinfeld sorgt für Aufmerksamkeit. Der Hinweis "Wasserturm" verweist auf ein Treppenhaus und wirft Fragen auf. Chronist und Autor Helmut J. Kirfel berichtet:

Ein echter Ausnahmefall dürfte die Gründung eines Klosters an einem Ort ohne jedes Frischwasservorkommen gewesen sein. Über Jahrhunderte musste in Steinfeld Trinkwasser von Menschen in Eimern oder mittels Tierkraft in Wasserfässern auf Karren heraufgeschafft werden. Für die Versorgung mit Brauchwasser stand ein großes System von Zisternen zur Verfügung, ausgeklügelt mit Über-, Ab- und Zuläufen, das auch heute noch funktioniert, indem es von tausenden Quadratmetern Dachfläche Regenwasser sammelt und nutzt.

Zur Trinkwasserversorgung wurde schließlich eine „Wasserleitung“ gebaut, 1328 erstmals erwähnt. Sie bestand aus ineinandergesteckten, konisch geformten Bleirohrstücken und führte von Wahlen, teilweise sogar als Druckleitung, Frischwasser ins Kloster. Die meiste Zeit war sie allerdings defekt und leckte, das Wasser war häufig verunreinigt – nicht nur wegen des Bleis. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde sie von Grund auf erneuert, aber Mitte des 19. Jahrhunderts war sie endgültig verfallen und konnte nicht wiederhergestellt werden, zahlreiche Bleirohrstücke waren „entfernt“ worden.

Die preußische Erziehungsanstalt im Kloster (1853 – 1923) mit ihren mehreren hundert Jungen und Mädchen war in der Wasserversorgung wieder auf dem Stand der Zeit des hl. Hermann Josef, also des 12. Jahrhunderts. Erst 1879 änderte sich dies; die industrielle Revolution hatte es möglich gemacht: Am Hermann-Josef-Brunnen im Kuttenbachtal wurde das frische Quellwasser in einem Bassin gesammelt. Eine Dampfmaschine mit acht PS wurde aufgestellt, die eine Pumpe antrieb, beides wurde bedient und gewartet von einem neu eingestellten „Maschinisten“, der mit seiner vielköpfigen Familie im winzigen Pumpenhaus wohnte (Postanschrift: „Steinfeld – Brünnchen“).

Frisches Quellwasser wurde durch eine acht zentimeter weite Rohrleitung hinauf ins Kloster gepumpt, zunächst in einen „Wassersarg“ bei der Waschküche, später dann in zwei je vier Kubikmeter Wasser fassende eiserne Hochbehälter auf dem Speicher des Hauptgebäudes. Um diese besser und sicherer unterbringen zu können, entstand der „Wasserturm“. Noch heute sieht man von unten den mit mächtigen Holzbalken verstärkten Fußboden des obersten Stockwerks. Die beiden spektakulären dicken Wasserrohre (Zuleitung und Ableitung) in der Mitte des heutigen Treppenschachts fanden aber auch lange nach ihrer Stilllegung noch „Verwendung“:

Internatsschüler sollen nach Zeitzeugenberichten, wenn sie es „eilig“ hatten, oben in der Nähe ihres Schlafsaals eines dieser Rohre „angesprungen“ haben, um – ganz wie in einer großen Feuerwache – schnellstmöglich nach unten ins Refektorium zum Frühstück zu gelangen, natürlich verbotenerweise!

„WER VON DIESEM WASSER TRINKT, WIRD WIEDER DURST BEKOMMEN; WER ABER VON DEM WASSER TRINKT, DAS ICH IHM GEBEN WERDE, WIRD NIEMALS MEHR DURST HABEN; VIELMEHR WIRD DAS WASSER, DAS ICH IHM GEBE, IN IHM ZUR SPRUDELNDEN QUELLE WERDEN, DEREN WASSER EWIGES LEBEN SCHENKT.“