Impuls zum 26. Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr (C) 2022

doormat-3264103_1920 (c) pixabay
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Datum:
Mi. 21. Sep. 2022
Von:
ejo

Jesus Christus, der reich war, wurde aus Liebe arm. Und durch seine Armut hat er uns reich gemacht. 2 Kor 8,9

Fußabtreter

in den Augen verschiedener Menschen

nichts wert.

Den kann man übergehen.

An dem kann ich meinen Dreck abstreifen.

In den Staub getreten

um unter Gottes Händen

aufzustehen

keine Gegenwartsvertröstung

sondern

Wirklichkeit für die Menschen,

die nach Seinem Wort handeln.

 

Gebet:

Gott, der du einem jeden und einer jeden deine Würde zusprichst, wir danken dir, dass du so an uns handelst. Lass uns hingehen und deinem Wort folgen und aufrichten und Ansehen verleihen in deinem Namen.

 

Segen:

Gott segne dein Tun,

dass du hinsiehst

und Ansehen schenkst;

dass du hingehst

und aufrichtest.

dass du das Leben austeilst,

dass du selber empfangen hast

und so Gottes Reich anbricht,

im Hier und Jetzt.

 

(Predigt-)Impuls

Unglaublich was ich da in den letzten Wochen in einer Reportage im Fernsehen gesehen habe: Obdachlose werden in unserer Gesellschaft zunehmend angegriffen, verprügelt, bestohlen, vergewaltigt. Jetzt kann ich das eben gehörte Evangelium verstehen. Das, was mir bis dahin unverständlich, mich in die Ohnmacht treibend vorgekommen ist, wird Realität, bittere Realität. Da nehmen sich Menschen das Recht heraus, andere als ihren Fußabtreter zu benutzen, sie als wertlos abzustempeln. Wer so handelt, der gleicht wirklich dem reichen Mann im Evangelium, für den es scheinbar keine Rettung mehr gibt. So ein Mensch tritt die Grundaussage der Bibel über den Menschen mit den Füßen, ja, er tritt Gottes Schöpfungswillen mit den Füßen!

Was da in der Misshandlung von Obdachlosen eine kaum zu überbietende Spitze erfährt, dass geschieht im Kleinen öfters als einmal unter dem Deckmantel einer guten Familie, einer funktionierenden Pfarrgemeinde, eines Dorfwesens.

„Das ist meine Ehefrau und dafür ist sie da, schließlich bringe ich ja das Geld nach Hause!“ „Mein Kind gehört mir und daher kann ich ja mit ihm machen, was ich will!“ „Geh mal in die Pfarrheimsküche. Da bist du gut aufgehoben.“ „Das ist ja sowieso nur ein Laie!“ „Ach du je, jetzt will der noch unserem Verein beitreten!.“ 

Und es geht noch viel kleinschrittiger: „Wie der / die mal wieder aussieht?“ „Kann auch keine zwei Sätze zusammenhängend sprechen.“

Ich gebe zu, es piekst anständig, auch bei mir. Denn irgendwo fühle ich mich hier und dort auch ein klein wenig ertappt, zumindest wenn ich einen schlechten Tag habe. Dieses Evangelium wird dann zur Einladung, es nicht so weit kommen zu lassen, sondern wach zu sein, wenn ich aus Wut, Enttäuschung oder Neid jemanden seine Würde abspreche. Nein, ich will den Graben zwischen dem anderen und mir, zwischen Gott und mir nicht zur unüberwindbaren Grenze  werden lassen, sondern  noch immer sein Wort hören, dass mich mit „Kind“ anspricht, eine Würde, die laut Evangelium selbst dieser widerliche reiche Prasser nicht verloren hat.