Bauliche Spezialitäten in der GdG-Steinfeld: Der Wetzstein von St. Luzia in Engelgau

engelgau-st-luzia wetzstein collage (c) gdg steinfeld
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Mi 29. Jul 2020
Gudrun Klinkhammer

Wer aufmerksam auf das Portal von St. Luzia in Engelgau zugeht, dem fällt ein Stein am Fuß des uralten Turms sofort ins Auge.

Dieser Stein wird durchzogen von Rillen und hebt sich damit deutlich von den anderen Steinen ab. Der Eifelkenner Norbert Knauf gbt eine Erklärung in einer Kirchenzeitung für Marmagen anlässlich der 700 Jahrfeier der Pfarrei St. Laurentius Marmagen: Er schreibt von "Wetzrillen", wie sie von abergläubischen Menschen im Mittelalter aus den Kirchensockeln herausgekratzt wurden. Das Steinmehl wurde in die Nahrung von Mensch und Tier gemischt und sollte gegen alles Mögliche helfen: Krankheiten, Hexerei und den bösen Blick. Das am Kirchenfundament oder auch an der Kirchenpforte gewonnene "Mittel" galt als universal einsetzbar. Auf der Rückseite des Turms von St. Luzia in Engelgau sind weitere Steine, die Wetzrillen aufweisen. Ebenfalls derartige Rillen weisen etwa die Hubertuskapelle in Arloff und die Martinskirche in Euskirchen auf. Auch an St. Laurentius in Marmagen gibt es noch derartige Spuren aus dem Mittelalter. Dazu gibt es eine Geschichte: "Im Dorf erkrankte eine Kuh, die einzige Kuh der Eltern des kleinen Laurenz. Laurenz hörte die klagenden Laute des Tieres, das mit aufgeblähtem Bauch auf dem Boden lag. Alle Familienmitglieder hatten sich um das Tier versammelt. Da kam eine ärmlich gekleidete Frau hinzu mit verfilztem Haar und dunkler Stimme. Die Fremde bemühte sich um die Kuh und als sie eine lange, dünne Nadel in den aufgeblähten Leib stieß, entfuhr dem aufgedunsenen Tier mit deutlichem Zischen ein Gassstrom, der an einer bereitgehaltenen Kerze eine ellenlange Stichflamme erzeugte. Die Bauersleute und ihre Kinder waren zu Tode erschrocken und schickten ein Stoßgebet zur hl. Luzia, die für den Schutz vor Feuersbrünsten zuständig war.  Die Fremde allerdings schien das Tier von seinen Qualen befreit zu haben, ruhig atmend lag es da. Die Frau wandte sich dann an Laurenz: Das Schlimmste ist jetzt vorbei, aber die Kuh ist noch nicht über den Berg. Bete mit deiner Familie täglich dreimal zur hl. Brigida um ihre Genesung und das Wichtigste: Gehe noch heute Nacht mit einem scharfen Messer zur geweihten Dorfkirche und kratze aus dem weichen Sandstein am Stützpfeiler etwas Steinmehl und mische das ins Futter. Das wirkt Wunder! Und ihr werdet sehen, die Kuh wird wieder gesund und euch noch lange dienen." Auch der Chronist Heinz Bücker aus Nideggen-Berg liefert eine mögliche Erklärung für die Rillen an den Steinen in Kirchen und Burgen: Ritter, die in den Krieg zogen, wetzten dort ihr Schwert, um es derart zu segnen.