Spezialitäten in Steinfeld - Wetterfahnen, nicht nur nützlicher Schmuck, sondern auch Geschichtsweiser

steinfeld wetterfahnen (c) Helmut J. Kirfel
steinfeld wetterfahnen
Datum:
Di 29. Sep 2020
Von:
Helmut J. Kirfel

Kloster Steinfeld. Rund ein Dutzend Wetterfahnen findet der mit Geduld Suchende, manche sind windschief vor Alter,

andere finden sich jeweils paarweise und zeigen manchmal in unterschiedliche Richtungen, wieder andere erstrahlen frisch renoviert: die Wetterfahnen auf den diversen Gebäuden und Gebäudeteilen des Salvatorianerklosters Steinfeld. Die herbstliche Vogelschaar wollte unbedingt mit aufs Bild! 😉
 
Dekorativ sind diese Wetterfahnen alle. Aber darüber hinaus verraten sie dem Betrachter mehr als nur die Windrichtung, falls ihr Mechanismus nicht wieder mal eingerostet ist. Einige erzählen von der wechselvollen Geschichte Steinfelds, wie die beiden auf dem Schutzdach des Einfahrtstores: Links ist zwischen jeweils zwei Ziffern der Jahreszahl 1135 ein von Pfeilen durchstoßenes Herz zu sehen. Dieses Herz ist das Attribut (Symbol) des hl. Augustinus, findet sich auch in den Wappen zahlreicher Steinfelder Äbte wider und soll daran erinnern, dass es Augustinerchorherren waren, die 1121 Steinfeld als Kloster neu gründeten und, wie man früher annahm, 1135 die Regel und Gewohnheiten der Prämonstratenser (=reformierten Augustiner) annahmen. Heute datiert man diesen Vorgang ein paar Jahre später, ganz sicher ist aber auch dies immer noch nicht.
 
Auf der rechten Tordachseite kann man eine Zwillingswetterfahne sehen mit „SDS“ inmitten der Jahreszahl 1923. Sie erinnert an die Übernahme des Klosters durch die Salvatorianer (SDS=Societas Divini Salvatoris) am 8. Dezember 1923, also vor bald genau 100 Jahren!
 
Der schwarze preußische Adler, der auf einem Windfahnenpaar auf dem Dach des „Alten Gästehauses“ zu sehen ist, hält die Zeit der preußischen Erziehungsanstalt im Kloster Steinfeld (1853 – 1923) in Erinnerung.
 
Andere Jahreszahlen weisen hin auf eine der letzten Renovierungen der jeweiligen Gebäudeteile: 1926 auf den beiden Turmspitzen des Westwerks der Basilika, 1966 auf dem kleinen Turm am Anfang der Viehgasse und 1968 auf dem „Wasserturm“ (die Zahl eingerahmt von zwei wellenförmigen Durchbrechungen des Blechs).
Ein weiteres Paar finden wir auf dem inneren Torhaus und in der Sichtachse gegenüber auf dem Dach des heutigen Rezeptionsgebäudes: Ein krokodilartiges Fabeltier begrüßt die Besucher.
 
Auf der frisch restaurierten Bekrönung des Vierungsturms erstrahlen eine Kugel, die das Kreuz zu tragen scheint, und der auf der Spitze des Kreuzes montierte Hahn in neuer Vergoldung. Der Hahn erinnert traditionell einerseits an Petrus und seine Verleugnung des Herrn und andererseits an die Auferstehung Christi, das neue Leben des Ostermorgens.
 
„JESUS SAGTE ZU IHM: HEUTE, IN DIESER NACHT, EHE DER HAHN ZWEIMAL KRÄHT, WIRST DU MICH DREIMAL VERLEUGNEN. PETRUS ABER BETEUERTE: UND WENN ICH MIT DIR STERBEN MÜSSTE – ICH WERDE DICH NIE VERLEUGNEN.“ – – – „WENIG SPÄTER (…) FING ER AN ZU FLUCHEN UND ZU SCHWÖREN: ICH KENNE DIESEN MENSCHEN NICHT, VON DEM IHR REDET. GLEICH DARAUF KRÄHTE DER HAHN ZUM ZWEITEN MAL.“
 
Text / Fotos: Helmut J. Kirfel